
Das elfte Kirchenfenster, das wieder von dem Künstler
Egon Stratmann geschaffen wurde und am Kichweihfest
2002 (29.09.2002) in der Messe zum ersten Mal der Öffentlichkeit
vorgestellt wurde, ist unserem Pfarrpatron
Sankt Clemens gewidmet.
Im Zentrum des Werkes steht ein Ausschnitt aus dem einzigen uns erhaltenen Brief unseres Pfarrpatrons, ein großartiger Text über die Liebe, der ähnlich dem so genannten neutestamentlichen Hohen Lied der Liebe aus dem Brief des Paulus an die Korinther diese göttliche Tugend besingt und zugleich Zeugnis ablegt davon, dass unser Pfarrpatron als Schüler des Petrus und des Paulus die Lehre der Apostel wirklich verinnerlicht hat.
Oberhalb dieses Textes sieht man eine Taube mit einem Ölzweig im Schnabel, das alte Zeichen des Friedens, auf blassblauem Hintergrund. Wie einst nach der Sintflut eine Taube einen Zweig zu Noah brachte zum Zeichen, dass Gott den Menschen nicht länger zürnt, die große Flut ein Ende hat und Friede herrscht auf Erden, so verweist dieses Symbol im Fenster auf das Hauptanliegen des Clemensbriefes, Streit in der Gemeinde zu Korinth zu schlichten und Frieden zu schaffen, Spaltung zu überwinden und zur Einheit zu führen.
So wird Clemens, der dritte Nachfolger des Petrus auf dem Bischofsstuhl von Rom wahrhaft zum Brückenbauer, zum Pontifex. Im oberen Maßwerk des Fensters taucht das Symbol des Pontifex Maximus, des obersten Brückenbauers oder Hohenpriesters auf, die Brücke mit den Schlüsseln zum Himmelreich. Jesus hatte sie bildhaft gesprochen dem Petrus als ersten übergeben, indem er ihm die Binde- und Lösegewalt übertrug.
Dass Clemens von Rom, als vierter Papst gilt, macht auch die Initiale am Textanfang deutlich, die entsprechend unserem Hochgebet im Messbuch als Ersten den Petrus, erkennbar am umgekehrten Kreuz, dem Zeichen seines Martyriums, zeigt, dann Linus und Kletus und schließlich Clemens, unseren Pfarrpatron mit dem Zeichen des Ankers, der ihm der Überlieferung zufolge um den Hals gehängt wurde, als man ihn im Schwarzen Meer unweit von Chersonnes auf der Krim ertränkte. Die Umrisse der Krim und der Ort, an dem er seinen Glauben mit dem Tod besiegelte, sind unterhalb des Textes zu erkennen.
Das Fenster unseres Pfarrpatrons hält eine Antwort auf die Frage „Wie können wir als Gemeinde Jesu Christi in unserer Gesellschaft leben?“ bereit: Seid erfüllt von jener Liebe, die Christus zu uns hat, und bemüht Euch um Eintracht mit allen. Die Frucht der Liebe zu der Christus uns befähigt ist nicht Zwietracht und Streit. Oder kürzer: Löst eure Konflikte aus dem Geist der Liebe und Eintracht.
Unser Papst, Johannes Paul II., hat in dem von ihm gewählten Papstnamen sich an Paulus gebunden. Nomen est Omen. In Fortführung des Wunsches Pauli und des Heilige Clemens hat er zweimal bereits die großen Religionsführer in Assisi zusammengerufen, damit Religion nicht weiterhin als Wurzel des Streites unter den Völkern angesehen werden kann. Der Figurenfries oben im Fenster zeigt die Zusammenkunft der Religionsführer in Assisi und zeigt eine Möglichkeit, wie der Mahnung des Paulus heute entsprochen werden kann: Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht. Unser Gott hat keine Berührungsängste. So finden Paulus und Clemens auch heute noch Hörer, die nicht nur Ja sagen, sondern auch Ja tun.
Ich bin überzeugt, dass der Geist Gottes auch einem jeden von uns Wege zeigt, zu Einmütigkeit und Eintracht. „Tätige Liebe heilt alle Wunden, bloße Worte mehren nur den Schmerz.“
Text: Pastor Johannes Helle, Pfarrer