
Warum lebe ich? Warum muss ich sterben? Warum musste der Mensch sterben, dessen toten Leib wir nun verabschieden? Es gibt für dieses bohrende und schmerzende "Warum" kein einfaches und eindeutiges „Darum“.
Auch das Kreuz ist keine alles erklärende Antwort.
Aber der am Kreuze hing, hat diese Frage mit in sein Leiden
und Sterben hingenommen:
„Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“
(Mk 15,34)
Gott ist unser Leiden nicht fremd. Indem er es in seinem Sohn selbst durchlitt, hat er es jedoch zugleich verwandelt und ihm eine Perspektive gegeben. Leid und Tod sind nicht das Letzte. Hoffnung und Leben scheinen am Horizont auf und werfen Strahlen des Lichts in die Dunkelheit der Trauer. Denn der am Kreuze hing, er lebt. Er hat den Tod überwunden.
Beides zeigt das Kreuz. Die Holzbalken weisen auf den Tod
in seiner Kargheit hin. Der an den Balken hängende
Christus aber trägt schon die Züge des Auferstandenen
an sich. Sein Blick ist kein leidender mehr, sondern ein
verklärter. Jesus scheint von der Last des angenagelten
Körpers nicht nach unten gezogen zu werden, sondern
geradezu zuschweben.
Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt gehen hier ineinander
über. Die Arme aber, ausgebreitet als wollten sie uns
umschließ, laden uns ein, uns unter das Kreuz zu stellen
mit unserem Schmerz und unserer Trauer. Sie laden uns ein,
ihm zu vertrauen, der uns den Zugang zum Vater eröffnet
hat. Er ist uns vorausgegangen, um für jeden, der an
ihn glaubt, einen Platz in der Herrlichkeit Gottes zu bereiten:
„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“
(Joh, 14,1-2)